Erfahrungsbericht

Etwas vom eigenen Glück weitergeben können

Schon früh, in den 90ziger Jahren, als unsere Kinder noch klein waren, hatte ich einen Bericht in der lokalen Presse gelesen, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft Pflegefamilien sucht. Mein Interesse war sofort geweckt. Aber mein Mann war von dieser Idee gar nicht begeistert, er meinte, wir hätten genug mit unseren eigenen Kindern zu tun.

Nach unserer Scheidung 2008, und mittlerweile vier eigenen Kindern, stieß ich zufällig auf einen Flyer des Pflegefamiliendienstes.

Eine Entscheidung der ganzen Familie

Zwei Kinder sitzen im Bett unter einer Decke.

Ich habe mich mit meinen Kindern hingesetzt und darüber gesprochen und sie gefragt,

was sie von dieser Idee halten. Alle waren einverstanden. Die Jüngsten waren begeistert. Für mich war nämlich immer klar, dass man nur eine Paten- und/oder Pflegefamilie sein kann, wenn die eigene Familie dahintersteht und „mitzieht“.

Wir haben uns beworben und ich habe nach der Teilnahme an den verschiedenen Seminaren, auch als alleinerziehende Mutter, die Anerkennung als Pflegefamilie erhalten. Wir haben inzwischen drei Geschwisterpaare bei uns aufgenommen.

Etwas vom eigenen Glück weitergeben können

Ich hatte das Glück, dass meine Familie und Freundinnen, vor allem meine Eltern, mich bei der Erziehung meiner eigenen Kinder unterstützt haben. Ich wollte davon etwas weitergeben. Ich finde es wichtig, dass unsere Kinder in ein soziales Umfeld gebettet sind, in dem sie Sicherheit, Liebe, Unterstützung und Geborgenheit erleben, ob das nun familiär oder freundschaftlich ist, spielt dabei keine Rolle. Mir ist es wichtig, meinen Kindern diese Werte zu vermitteln. Dass wir uns aufeinander verlassen können, füreinander da sind, dass wir nicht allein sind.

Als Patenfamilie sind wir ein stabiles Umfeld für die Familie

Für zwei Geschwister sind wir schon seit nunmehr neun Jahren Patenfamilie. Sie kommen ab und zu noch, trotz Pubertät. Es ist schön, weiterhin Kontakt zu haben. Wir sind zusammengewachsen, verstehen uns gut und sind befreundet. Und den Kindern kommt das Zugute. Sie haben ein erweitertes, stabiles, familiäres Umfeld.

In der Bereitschaftspflege lassen wir uns immer wieder auf neue Situationen ein

Die anderen beiden Geschwisterpaare kamen in Bereitschaftspflege, sind aber etwa zwei Jahre bei uns geblieben.

Pflegefamilie zu sein ist eine Herausforderung. Wir haben uns dieser Herausforderung gerne gestellt. Meine Kinder und ich haben uns jedes Mal neu einlassen müssen; neue Situationen, neue Kinder, neue Familie. Aber es ist auch schön, bereichernd. Wir hatten kleine Pflegekinder, die brauchen Sicherheit, Liebe, Zuwendung und Fürsorge. Wir hatten auch Glück, dass die Kontakte mit der Ursprungsfamilie der Pflegekinder gut waren. Ich liebe den Kontakt zu anderen Menschen. Ich lerne jeden Tag dazu. Ich mag das nun mal. Es gibt mir das Gefühl, dass ich einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft leiste.

Herausforderungen meistern – auch dank des Pflegefamiliendienstes

Es war natürlich nicht alles rosarot; alles unter einen Hut zu bekommen, Arbeit, Termine, … war auch nicht immer so einfach. Aber als Familie war es machbar, ich konnte mich sowohl auf meine Kinder verlassen als auch auf die Hilfe und Unterstützung vom Pflegefamiliendienst aus Eupen.

Nach der Rückkehr der Kinder in die Herkunftsfamilie sind wir Patenfamilie geworden.

In Kontakt bleiben

Meine eigenen Kinder sind außer Haus, haben teils schon eigene Kinder, freuen sich aber, "unsere" Patenkinder zu sehen. Diese freuen sich auch, ihre großen "Patengeschwister" zu sehen und manchmal etwas gemeinsam zu unternehmen.

Es ist schön zu sehen, wie es ihnen geht und auch weiterhin ein Teil ihres Lebens zu sein. Man wächst zusammen und ist miteinander verbunden. Die Familie ist größer geworden. Sie sind ein liebgewonner Teil dieser Familie.

An dieser Stelle möchte ich ein riesiges Lob und Dankeschön an meine Kinder richten, ohne deren Hilfe und Unterstützung wäre das alles so nicht machbar gewesen.